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Spuren einer spätgermanischen Ansiedlung am und um das Ottenhofener Regenrückhaltebecken

Die Windsheimer Bucht, das Uffenheimer Gäu sind vor allem auch für Archäologen Gebiete von ganz besonderem Interesse, denn die Vielzahl der Funde lassen Expertenherzen höher schlagen. So auch die Spuren einer spätgermanischen Siedlung, die das Nürnberger Team Mittelfranken vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege im Zuge der Arbeiten für das Regenrückhaltebecken in Ottenhofen entdeckten. Zwei gefundene Gruben geben allerdings Rätsel auf. „Ich habe so etwas noch nie gesehen“, bekundet Martin Nadler, Archäologe beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Die zwei Gruben, die von seinem „Team Mittelfranken“ (drei Mitarbeiter und er), in mühevoller Kleinarbeit am Rande der Bauarbeiten für das Rückhaltebecken für Ottenhofen freigelegt wurden, faszinieren. „Sie müssen wichtig gewesen sein, denn sie wurden unter großen Anstrengungen und sehr sorgfältig in den Fels hineingehauen“, erklärt Nadler. Rötliche Verfärbungen an den Gesteinsrändern in einer der Gruben lassen darauf schließen, dass sie extremen Temperaturen (zwischen 300 und 600 Grad Celsius) ausgesetzt war und vermutlich für den handwerklichen Betrieb genutzt wurde. Und dies - wie die einzelnen Schichten verraten - mit zeitlichen Abständen dazwischen mehrmals hintereinander.Einzigartiger FundAuf dem Boden konnte beispielsweise eine Holzkohlen- beziehungsweise Brandschicht nachgewiesen werden, darüber findet sich ein Teil gebrannter Lehm. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Grube gezielt verfüllt, auch das lässt sich an den Grubenrändern ablesen, um dann wiederum als eine Art Ofenkonstruktion (so lautet die momentane Hypothese) verwendet zu werden. Nur wofür, das weiß der Fachmann noch nicht zu sagen, der Fund bleibt einzigartig und vorerst mysteriös. Eventuell werden aber „naturwissenschaftliche Spielereien“ (Untersuchung der einzelnen Schichten) weitergehende Rückschlüsse erlauben, so Nadler. Wäre zudem eine großflächige Grabung möglich, ließe sich wahrscheinlich auch eher ein Kontext herstellen. Da aber weder die Chance darauf, noch die Mittel dafür zur Verfügung stehen, wurden die Grabungsstellen inzwischen wieder zugeschüttet. Sie werden begrünt und Teil des Überflutungsbeckens sein. „Im Ernstfall liegt später mal ein See darüber.“ Vom dahinter liegenden Gelände erwartet Nadler weitere Fundstellen. Seine Bitte an Bürgermeister Karl-Heinz Eisenreich bei der Präsentation der bisherigen Ergebnisse war denn auch, dass bei künftigen Arbeiten in diesem Bereich, auf mögliche Funde Rücksicht genommen wird beziehungsweise, dass sich die Archäologen zuerst an Ort und Stelle umsehen können. Bei den Planierarbeiten für das Rückhaltebecken seien vermutlich ohnehin schon etliche Fundstücke vernichtet worden, ist sich Nadler sicher. Außergewöhnliche Lesefunde Zwei ganz besondere „Schmankerln“ fielen den Experten dennoch in die Hände. Die für die sonst übliche archäologische Arbeitsweise eher unkorrekte Bezeichnung ist in diesem Fall jedoch völlig zutreffend, denn sowohl ein Knochenkamm aus dem vermutlich 4. Jahrhundert als auch eine Gewandspange aus karolingischer Bronze (8./9. Jahrhundert) wurden im Erdreich entdeckt und vom Boden aufgeklaubt, waren also so genannte Lesefunde. Den Kamm - ein laut Martin Nadler selten schönes Stück - entdeckte die Uffenheimerin Steffi Schmidt, die als Praktikantin bei den Ausgrabungen mit vor Ort war. Die karolingische Bronze ist eine für die Gegend echte Seltenheit.Die zehnjährige Mareike Stahl erspähte ebenfalls einen Lesefund, diesmal ein Steinbeil. „Gebückt und aufgehoben“ kommentierte Lehrer Gerhard Bund – selbst begeisterter Hobby-Archäologe - ein wenig neidisch den Vorgang (die Schülerin arbeitet bei der von ihm ins Leben gerufenen AG Archäologie an der Volksschule Burgbernheim mit). Jede Menge Lesefunde, von Keramik bis Knochen, steuerte auch der kleine Marktbergeler Jonas Weiß bei. Er war zusammen mit seinem Großvater an der Grabungsstelle aktiv, seine Funde müssen allerdings noch gesichtet werden. Die tatkräftige Unterstützung, aber vor allem auch das echte Interesse an seinem Fachgebiet, freut Martin Nadler besonders: „Es kommen so oft Leute, die meinen, was wollt ihr denn mit dem alten Zeugs, da tut die gegenteilige Haltung und die spontane Mitarbeit mal richtig gut.“ Kreisarchäologe angeregtAngesichts der Vielzahl der Funde im westlichen Landkreis halte er es für überlegenswert, die Stelle eines Kreisarchäologen einzurichten. Der Wissenschaftler würde sich für sein Arbeitsgebiet jedenfalls wünschen, den Faktor Zufall künftig minimieren zu können und „einfach näher dran zu sein“. Gemeint ist, dass das Landesamt oft erst dann von Fundstellen erfährt, wenn bei Baumaßnahmen archäologische Spuren zu Tage treten, über die aber bereits schweres Arbeitsgerät hinweggerollt ist - wie kürzlich bei einer Grabungsstelle in Custenlohr passiert: „Da waren die Bagger schon quer durch fünf bis sechs Fundstellen gerauscht, bis wir vor Ort waren.“Quelle: Windsheimer Zeitung vom 18.10.2003 Bericht + Fotos: SABINE STRICKSTROCK